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Tiernamen und gesellschaftliche Differenzierung. Vergleichende Sondierungen im Anschluss an zwei Thesen von Claude Lévi-Strauss

Rainer E. Wiedenmann


Pages 255 - 308



Der Beitrag erkundet soziologische Möglichkeiten einer differenzierungstheoretisch angelegten Tiernamenforschung. Zunächst wird gezeigt, dass die charakteristische Dissoziation moderner Mensch-Tier-Beziehungen eng mit einer langfristigen Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Funktionsbereiche verknüpft ist. Exemplarisch verdeutlicht diese Entkoppelung der Gegensatz familiale Heimtiere – Nutztiere des Wirtschaftssystems. Gezeigt wird, dass der Strukturwandel der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten zu einer polarisierenden Zuspitzung dieser Dissoziation geführt hat: Mensch-Nutztier-Beziehungen wurden verstärkt Versachlichungs- und Anonymisierungsprozessen ausgesetzt, die die Funktionen der Tieridentifizierung und -namengebung stark verändert haben. Im Anschluss daran wird diskutiert, inwieweit das prominente Tierbenennungsschema von LÉVI-STRAUSS (1968) einen sachadäquaten konzeptionellen Bezugsrahmen für diese Veränderungen anbietet. Zwei seiner diesbezüglichen Thesen – über Hunde- und Rindernamen – werden dafür einer begrenzten empirischen Überprüfung unterzogen. Die komparative Diskussion der französischen und deutschen Befunde zeigt, dass die langfristigen Wandlungstendenzen bei Hunde- und Kuhnamen von LÉVI-STRAUSS’ Ansatz nur unzureichend erfasst werden.

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